Finanzdiagramm mit wachsenden CHF-Münzstapeln und steigenden Kurven – Sinnbild für Marktentwicklung
Avatar David
Finanzen & Steuern

Schweizer Franken: Rückblick auf das Ende der EUR/CHF-Untergrenze von 2015

Die plötzliche Aufhebung des EUR/CHF-Mindestkurses am 15. Januar 2015, die auf eine Ankündigung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) folgte, die die Wirtschaftswelt überraschte, ist ein besonders prägendes Ereignis in der Schweizer Währungsgeschichte der letzten Jahre. Ein Blick auf diese schockierende Ankündigung, deren Folgen in der Schweiz bis heute zu spüren sind.

In Kürze

• Der 2011 von der SNB eingeführte EUR/CHF-Mindestkurs legte einen Kurs von mindestens 1,20 CHF pro Euro fest, um eine zu starke Aufwertung des Frankens zu verhindern.
• Die SNB gab diesen Mindestkurs am 15. Januar 2015 überraschend auf, was an den Märkten Panik und in der Schweizer Wirtschaft Unverständnis auslöste.
• Begründet wurde die Entscheidung mit der Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar und den zunehmenden Spannungen zwischen den Geldpolitiken der grossen Zentralbanken.

Erfahren Sie, was der Mindestkurs zwischen Euro und Schweizer Franken war, weshalb die SNB ihn 2015 aufgab, und welche Folgen dieses bedeutende Ereignis sowohl für die Märkte als auch für Schweizer Unternehmen und deren Mitarbeitende hatte.

Was ist der EUR/CHF-Mindestkurs?

Der am 6. September 2011 von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eingeführte EUR/CHF-Mindestkurs war ein Mindestwechselkurs zwischen dem Schweizer Franken (CHF) und dem Euro (EUR), wonach 1 Euro theoretisch nicht weniger als 1,20 Schweizer Franken wert sein durfte.

Nach einer langen Phase der Aufwertung der Schweizer Währung (der Schweizer Franken diente damals inmitten der europäischen Staatsschuldenkrise als sicherer Hafen) hatte die SNB beschlossen, diesen Mindestkurs einzuführen, um eine zu starke Aufwertung ihrer Landeswährung zu verhindern.

Und das aus gutem Grund: Eine zu starke Währung zieht zahlreiche negative Folgen für die Wirtschaft eines Landes nach sich, da sie insbesondere die Exporte belastet. Die SNB hatte sich deshalb entschlossen, in grossem Umfang Fremdwährungen zu kaufen, um die Aufwertung des Schweizer Frankens einzudämmen…

Das Ende des EUR/CHF-Mindestkurses 2015

Die Fakten

Nachdem die SNB den Mindestkurs von 1 Euro zu 1,20 Schweizer Franken fast dreieinhalb Jahre lang aufrechterhalten hatte, gab sie ihn am Donnerstag, dem 15. Januar 2015, gegen 10.30 Uhr plötzlich auf – was nicht nur Panik an den Finanzmärkten auslöste, sondern auch Unverständnis und Verärgerung in Schweizer Wirtschaftskreisen hervorrief.

Und das aus gutem Grund: Noch drei Tage zuvor, am Montag, dem 12. Januar, hatte die Schweizer Notenbank durch ihren Vizepräsidenten Jean-Pierre Danthine ihre Entschlossenheit bekräftigt, diesen berühmten Mindestkurs zu verteidigen.

Weshalb wurde der EUR/CHF-Mindestkurs aufgehoben?

Um diesen überraschenden Entscheid zu begründen, sprach SNB-Präsident Thomas Jordan von einem logischen Schritt, der sich aus einer eingehenden Prüfung der Bilanz der Schweizer Nationalbank ergab. Nach Ansicht der Führungsgremien der SNB liegt der Schweizer Franken zwar nach wie vor auf einem relativ hohen Niveau, doch sei seine Überbewertung durch die Einführung des Mindestkurses in den vergangenen Jahren weitgehend eingedämmt worden.

Jordan verwies zudem auf die jüngste deutliche Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, die unweigerlich zu einer Abwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Greenback führt. In Verbindung mit den Schwierigkeiten der SNB aufgrund der wachsenden Differenzen zwischen den Geldpolitiken der wichtigsten europäischen Zentralbanken (Differenzen, die sich im Rahmen des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank noch weiter vergrössern dürften), habe diese Abwertung den Entscheid der Schweizer Institution beschleunigt.
Um zudem eine unerwünschte Straffung der monetären Rahmenbedingungen zu begrenzen, hatte die SNB gleichzeitig beschlossen, den Zinssatz für Sichteinlagen, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um einen halben Prozentpunkt auf -0,75 % zu senken (gegenüber ursprünglich -0,25 %).

Die Folgen des Endes des EUR/CHF-Mindestkurses

Unmittelbare Folgen

Die Ankündigung der SNB vom 15. Januar 2015 schlug auf den Finanzmärkten wie eine Bombe ein. Zwar hatten viele Beobachter früher oder später mit einem solchen Entscheid gerechnet (da sich der EUR/CHF-Mindestkurs nicht auf Dauer halten liess), doch niemand hatte damit gerechnet, dass er so plötzlich und ohne jede Vorwarnung erfolgen würde!

Die Reaktion des Marktes liess nicht lange auf sich warten und fiel heftig aus: Der Euro, der kurz vor der Ankündigung der SNB noch 1,20 Franken wert war, stürzte rasch auf ein historisches Tief von 0,9652 Franken ab, bevor er sich gegen Ende des Tages bei rund 1,04 Franken stabilisierte.

Gleichzeitig gab die Schweizer Börse deutlich nach: Der SMI, der die 20 grössten Unternehmen des Landes nach Marktkapitalisierung umfasst, schloss die Sitzung mit einem Minus von 8,67 % bei 8 400 Punkten.

Schliesslich strömten in den Stunden nach der Ankündigung des Endes des EUR/CHF-Mindestkurses zahlreiche Schweizer Bürgerinnen und Bürger sowie Grenzgängerinnen und Grenzgänger, die massenhaft Euro gekauft hatten, in die Wechselstuben, um ihre Transaktionen rückgängig zu machen – so sehr, dass einige Wechselstuben gezwungen waren, sämtliche Euro-Bezüge vorübergehend auszusetzen, um eine Überlastung ihrer Systeme zu vermeiden.

Langfristige Folgen für die Schweizer Wirtschaft

Über die unmittelbaren negativen Folgen der Aufhebung des Mindestkurses zwischen Euro und Schweizer Franken hinaus brachte der Entscheid der SNB zahlreiche langfristige Schwierigkeiten mit sich – sowohl für Schweizer Unternehmen als auch für deren Mitarbeitende.

Zunächst führte er zu einem beträchtlichen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit für Schweizer Exportunternehmen. In einem Land, das stark auf den Aussenhandel ausgerichtet ist (Uhrenindustrie, Luxusgüter, Industrie, Banken- und Finanzsektor …), gibt es davon zahlreiche; ihre Produkte und Dienstleistungen verteuerten sich innerhalb eines einzigen Tages um fast 30 % und büssten dadurch erheblich an Wettbewerbsfähigkeit ein…

Gleichzeitig wurde die Attraktivität der Schweiz für ausländische Investoren stark beeinträchtigt: Aufgrund der hohen Bewertung des Schweizer Frankens ist es seither deutlich teurer, eine Tochtergesellschaft in der Schweiz anzusiedeln, als dies zu Zeiten des EUR/CHF-Mindestkurses der Fall war.

Zwar mag das Ereignis für Grenzgängerinnen und Grenzgänger auf den ersten Blick vorteilhaft erschienen sein (ihre Kaufkraft stieg spürbar), doch auch sie waren mit durchaus unangenehmen Folgen konfrontiert: Schweizer Unternehmen, die unter dem zu starken Franken litten, sahen sich gezwungen, ihre Neueinstellungen einzuschränken oder sogar Personal zu entlassen.

Ebenso mussten manche Hypothekarnehmer, die einem sehr hohen Wechselkursrisiko ausgesetzt waren, feststellen, dass ihre Schuld in Schweizer Franken den Wert ihrer Immobilie in Euro überstieg!

Negative und sehr reale wirtschaftliche Folgen, die unmittelbar durch die ungünstige Entwicklung des EUR/CHF-Wechselkurses verursacht wurden und die nur wenigen Akteuren dank ihrer Strategien zur Absicherung gegen das Wechselkursrisiko in Grenzen gehalten werden konnten.

Reagieren Sie auf diesen Artikel!

Ihr Kommentar wird geprüft, bevor er veröffentlicht wird.